kunstfehler online

Frühling 2005

editorialGeorg Wimmer

Liebe Leserinnen! Liebe Leser!

Jede Wette: Salzburg wird sich beim IOC um die Olympischen Winterspiele 2014 bewerben. Die BürgerInnen werden zwar noch gefragt, was sie davon halten – aber das war’s dann. Die Politik wird das Ergebnis zur Kenntnis nehmen, mehr nicht. SPÖ und ÖVP haben am Aschermittwoch im Gemeinderat gegen den Antrag gestimmt, dass das Ergebnis der BürgerInnenbefragung bindend sein soll. Faktisch heißt das nichts anderes als: Die Bewerbung zum Olympischen Komitee nach Lausanne ist unterwegs.

In der Sache mag es Argumente für und gegen Olympia geben. Der legere Umgang mit Demokratie und Transparenz, der hier gepflegt wird, hätte längst eine Medaille verdient. Zuerst wird behauptet, die Olympia-Bewerbung Salzburgs sei Angelegenheit von Privatpersonen (die nie genannt werden).

Der Bürgermeister rafft sich erst dann zu einer BürgerInnenbefragung auf, wenn ihm eine fraktionslose Gemeinderätin 3.500 Unterschriften vor die Brille hält. Die Befragung wird so angesetzt, dass der Prüfbericht über die letzte, gescheiterte Bewerbung erst danach ans Licht kommt. Vorsichtshalber wird zusätzlich beschlossen, dass sich der Gemeinderat nicht an das Ergebnis der Befragung halten muss. Heinz Schaden kann den Willen der Bevölkerung in Sachen Olympia beugen. Er sollte aber die internationale Wirkung der BürgerInnenbefragung nicht unterschätzen. Das IOC hat die Spiele zuletzt nie an eine Stadt vergeben, deren Bevölkerung nicht voll hinter der Bewerbung stand.

Eine offene Diskussion mit überzeugenden Argumenten hätte der Sache in jedem Fall genützt.

Georg Wimmer




Druckbare Version
zurück zur Inhaltsübersicht